Der Auswahlprozess oder
 „Welcher Hund passt in unsere Familie?“
(gedanklich zusammengefaßt von Wolfgang :-))

Rein statistisch gesehen sind wir eine typisch bundesdeutsche Familie mit einem Kind ? ( Sascha / 18 Jahre )

Unsere Freunde sehen uns eher als „Chaostruppe“.

Was fehlt uns noch um diesem Image gerecht zu werden? - natürlich ein Hund.
Doch welche Rasse??

Das Einfachste um der Demokratie gerecht zu werden,
ist natürlich die Einberufung des Familienrats.

Einziges Thema auf der Tagesordnung:
„Auswahlprozeß Hund - welcher paßt zu unserer Familie?“

Bei diesem wichtigen Thema ist man sogar bereit, den geplanten Disco-Besuch ausfallen zu lassen oder zumindest etwas zu verschieben.

Alle Familienmitglieder sind wie gewohnt äußerst kreativ, circa 20 verschiedene Hunderassen kommen für uns in Frage. Die Vorschläge reichen vom Yorkshire Terrier über einen Boxer, vom Irish Setter bis zum Berner Sennenhund. Tausend Argumente für die eine oder andere Hunderasse werden in die Waagschale geworfen, um die anderen zu überzeugen. Natürlich werden alle Fakten fachmännisch belegt, man hat ja „Ahnung“ und diesen oder jenen Hund schon gesehen, davon gehört oder schon mal gestreichelt. Wenn alles nicht genügend überzeugt, kennt man ja noch jemanden, der jemanden kennt, der einen solchen Hund besitzt.

 Flexibilität und Kompromißbereitschaft wird selbstverständlich auch bewiesen, so ist dann plötzlich die Alternative zum Yorkie der Bernhardiner . Mit dem Kommentar „.... dann eben irgendeinen aus dem Tierheim“ blendet sich meine Frau aus der Diskussion und schmollt - mit der Anwort „... irre, in der Disco wäre es lustiger gewesen!“ zieht sich Sascha zurück und wirft den Computer an, um wenigstens noch etwas „Sinnvolles“ zu tun. Bleibt mir nur noch die Aufgabe mit der Bemerkung „... wie im Bundestag, Demokratie ist doch nicht so einfach!“, die Familientagung aufzuheben.

Es vergehen nun einige Tage an denen das Thema Hund ‘totgeschwiegen’ wird. Ganz plötzlich aber tauchen dann überall in der Wohnung stapelweise Hundezeitschriften auf, so einfach geben wir uns doch nicht geschlagen!!! Verschiedene Artikel werden x-fach gelesen, Bilder rumgereicht und Hefte zu Stapeln sortiert, die der nächste wieder durcheinander bringt. Einige Hefte verschwinden dann wieder und  irgendwann eröffnen mir meine Beiden, das wir nun bei der Entscheidung strukturiert vorgehen, denn man hat herausgefunden, das es eigentlich nur 3 Kriterien gibt:

  • Die Größe der Wohnung.
  • Die Größe des Gartens (hier wurden natürlich die Blumenbeete mit eingerechnet) und
  • die wichtigste Erkenntnis: Der Charakter des Hundes muß zum Charakter der Familienmitglieder passen! Anmerkung: Welcher Hund kann so chaotisch sein?
  • Die Suche nach einem Opfer für eine Charakter- und Verhaltensanalyse ist auch schnell erledigt, man ‘schießt’ sich logischerweise auf mich ein.

Was dabei herauskam: Das „Etwas“ sollte „pflegeleicht“ sein (wie ich!),

 bei Wind und Wetter spazieren gehen, aber man muß es auch mal in ein  Restaurant mitnehmen können und vor allem muß es lernfähig sein.

Das ‘Etwas’ sollte lustig und verspielt, darf auch ruhig sensibel sein (wie ich?), kontaktfreudig und sich leicht in die Familie integrieren

Bei der Größe glaubte ich anfangs, das man meinem Argument nach einem „richtigen Hund“ zustimmt - das zukünftige Familienmitglied darf nun doch halbhoch sein, was letztlich aber nur auf meine Körpergröße (194 cm)  und der Größe unseres Autos zurückzuführen war. Aufgrund meiner Frisur und meiner Haarfarbe  sollte der „richtige“ Hund dann noch langhaarig oder „zottelig“ und schwarz oder grau sein.

Na also, so einfach ist die Auswahl nach der richtigen Hunderasse und wir sind nun einen Schritt weiter.

Wieder werden die Zeitschriften - diesmal nur noch wenige - hervorgeholt und bearbeitet.

Das Ganze gerät nun noch einmal ins Stocken als wie aus heiterem Himmel meine Gattin erklärt, das sie vorerst überhaupt keinen Hund haben will, da dies, Zitat: „...nicht fair gegenüber unserer Josie ist!“. Zur Erklärung: Unsere Josie war ein winzig kleiner Mischlingshund, der es 13 Jahre bei uns ausgehalten hat. Nach einem glücklichen Hundeleben starb unsere ‘Kleine’ vor 6 Wochen

Nach einiger Überzeugungsarbeit kehren wir dann aber doch wieder zum Alltag und zum Thema „zukünftiger Hund“ mit resultierendem Entscheidungsprozeß zurück. Die Vorteile und auch die Zusammenfassung der Entscheidungskriterien dieses bellenden Etwas werden mir nun häufiger und von zwei Seiten schmackhaft gemacht, ausgeschmückt mit Dutzenden von Bildern, die immer die gleiche Art Hund - mal als Welpe, mal als ausgewachsenem, langhaarigen, grauen Zottel - darstellten. 

Das zentrale Thema der Familie fing an zu nerven bis ich dann resignierend alle Entscheidungskriterien anerkannte und letztlich auch verzweifelnd vor allen Familienmitgliedern bestätigte: "
...ja, ich bin auch überzeugt, daß es der richtige Hund für uns ist."

Doch noch war nicht aller Tage Abend, eine solche Entscheidung - nun über mehrere Wochen gereift - muß nun noch von allen Seiten geprüft und die Argumente fachmännisch, evtl. sogar wissenschaftlich untermauert werden. In einem Managementseminar könnte der Entscheidungsprozeß nicht exakter behandelt werden.

Am nächsten Tag wurde eine Buchhandlung aufgesucht. Strahlend kam meine geliebte Gattin dann zurück, präsentierte uns ihr neuestes Buch und  dann war's schon entschieden:
"Ein Bearded Collie ist der einzige Hund der in unsere Familie paßt!"

Am nächsten Abend war das Buch dann bereits von allen Personen unserer Familie ein- oder mehrfach, ganz noch kreuz- und quer-diskutiert; alle Vorstellungen und Entscheidungskriterien wurden natürlich bestätigt, die Investition des Buches hat sich gelohnt.

"...fragen Sie einen Züchter" stand irgendwo im Buch auf Seite 4711 und wieder wurden die Zeitschriften bemüht.

Dann zum Telefon und tatsächlich meldete sich eine sehr nette Dame, die Bearded Collies züchtete. Nachdem wir Ihr unser 'Problem' geschildert hatten, folgte dann auch gleich die Einladung, sie und ihre Hunde doch einfach zu besuchen. Soviel Hilfbereitschaft und Freundlichkeit hatten wir ja gar nicht erwartet.

Die Entscheidung, dies auch wirklich in die Tat umzusetzen, fiel dann sehr spontan, als wir von Frau Vahrenhorst (so heißt die nette Hundefreundin) erfuhren, daß gerade jetzt noch 6 kleine Welpen zu besichtigen sind. Da diese bereits 8 Wochen alt sind, schien diese Möglichkeit nun denn auch wirklich zeitlich befristet - also morgen kommen wir!

Während der Fahrt zur Züchterin Frau Vahrenhorst kann ich mich dann doch noch relativ entspannt auf das Thema vorbereiten“'Paßt ein Bearded Collie wirklich zu uns?“, es droht ja eigentlich keine Gefahr - alle Welpen sind bereits vorbestellt.

Dann bei Frau Vahrenhorst angekommen, begrüßen uns dann auch gleich 3 Beardies mit freundlichem Gebell und Schwanzwedeln - ja, die sind richtig, ist unser erster Eindruck.

Wir werden nach eingehender Begrüßungszeremonie (von allen Seiten), dann auch gleich zu den Welpen geführt. Es scheint Frau Vahrenhorst hat alle Zeit der Welt für uns „Beardie-Laien“, beantwortet geduldig alle unsere Fragen , zeigt uns Bilder und erklärt uns viele Dinge. Auch zum Charakter der Beardies und nach welchen Kriterien man sich für die richtige Rasse entscheidet hat sie uns viele Tips gegeben.

Die Entscheidung ist dann absolut und endgültig, denn spätestens als wir die kleinen Welpen auf dem Arm haben wissen wir alle:
"Ein Bearded Collie ist der einzige Hund der zu unserer Familie paßt!"

 

Übrigens: Seit 2 Wochen sind wir nun zu viert in unserer Chaotentruppe.

Bei einem anderen Züchter verliebten wir uns in unser Beardiemädchen.

 Sally hat sich schon perfekt eingelebt, liegt neben mir auf dem Teppichboden und hat die Schnauze auf meinem Fuß, während ich Ihnen diese Zeilen schreibe. Ab und zu beißt sie mir mal wieder in die Zehen als ob sie mir  sagen will, hör auf mit dem Blödsinn und spiel' mit mir (was ich auch jetzt tun werde!),

denn: Sally ist die richtige für unsere Familie!

geschrieben im Herbst 1996